Lange mussten die Christen der Bergdörfer Brüx, Höhn, Rüttmannsdorf und Weimersdorf zu Gottesdiensten und allen kirchlichen Handlungen einen Weg von sechs Kilometern nach Neustadt gehen. 1906 erhielten die vier selbständigen Dörfer einen eigenen Friedhof zwischen Brüx und Höhn, durch den der Wunsch nach einer Kirche, der schon im 19. Jahrhundert geäußert worden war, erneut aufkam. Wenig später sollte er in Erfüllung gehen.
Die Finanzierung der neuen Kirche, die rund 26.000 Mark kostete, erfolgte fast ausschließlich aus Spenden. Beteiligt waren mit den höchsten Beträgen die Gebrüder Brock in Stettin (Inhaber der Vulcan-Werft) und der herzoglich-sächsische Kammersänger Kurt Frederich in Wiesbaden (später Berlin), danach mit einem weiteren hohen Betrag der Kommerzienrat Carl Gause (Berlin), der eine erste Entwurfsskizze für das Kirchlein anfertigte. Teilhaber seiner Baufirma war Robert Leibnitz, der den endgültigen Plan erstellte. Stilistisch arbeitete die Firma im Historismus, wie auch am Bau der Bergkirche erkennbar ist. Mit den eher gedrungenen Formen der Baukörper und der offenen Vorhalle erinnert sie an die Romanik, während die farblich von der Putzfläche abgesetzten Quader an den Kanten des Gebäudes an die französische Renaissance gemahnen. Auf die Gotik deuten die Fenster hin, die in Spitzbögen enden. Die Verwendung von Bauteilen aus verschiedenen Stilepochen ist typisch für den Historismus.
Die Grundsteinlegung zur Kirche erfolgte am 25. Juli 1909; geweiht wurde sie am 30. Oktober 1910. Die Bauleitung übernahm der Coburger Regierungsbaumeister Arthur Philibert. Für die Maurerarbeiten wurde Maurermeister Bernhard Bosecker aus Neustadt verpflichtet. Die Zimmerarbeiten führte Edmund Schubert aus Wildenheid aus. Der Coburger Dachdeckermeister Emil Eberhard deckte das Dach und den Turm mit Schiefer.
Die Kirchenfenster, hergestellt von der Glasmalerei Knoch und Lysek in Coburg, zeigen den Herzog Carl Eduard und die Herzogin Viktoria Adelheid, beide in mittelalterlicher Gewandung beim Gebet, sowie den segnenden Christus und den Evangelisten Johannes. Gespendet wurden sie von Konsul Carl A. René aus Stettin, den Konsuln Georg L. und G. E. Brock sowie Arthur Philibert.
Das ehemalige Altarbild (heute in der Leichenhalle) „Christus betend im Garten Gethsemane“ im damals beliebten Nazarenerstil malte die Coburgerin Leonie de Cuvry.
Von den drei Glocken, die die Kirche ursprünglich besaß und die aus der Herzoglichen Hofglockengießerei Apolda stammten, mussten 1915 zwei für Kriegszwecke abgegeben werden. 1929 wurden sie ersetzt, doch 1941 wurden wieder zwei Glocken zum Einschmelzen abgeholt. 1960 wurden zwei neue mit elektrischem Läutesystem installiert.
Bei der Renovierung von 1960 wurden zwei Fenster im Chorraum zugemauert und durch ein neues, aus Glasbausteinen bestehendes Fenster ersetzt, um direkten Lichteinfall für den Altarraum zu gewinnen. Das Kruzifix im Altarraum wurde 1961 von dem Bildhauer Josef Traxler angefertigt. 1967 ersetzte eine Orgel, die gebraucht gekauft wurde, das ursprünglich vorhandene Harmonium.
So haben auch an einer Kirche, die kaum als alt zu bezeichnen ist, schon mehrere Generationen als Zeichen der Verbundenheit im Glauben ihren Anteil geleistet.
Isolde Kalter