St. Georg

Neustadt gehörte kirchlich ursprünglich zu Fechheim. Mit zunehmender weltlicher Bedeutung im 14. Jahrhundert konnte es auch kirchlich selbständig werden. 1358 wurde ein Ablass für die Kirche des heiligen Georg in Neustadt vom Papst genehmigt, was typisch ist für Kirchen, die gerade Geld zum Bau benötigen.

Durch die beiden großen Stadtbrände blieb nicht mehr viel aus den frühen Jahrhunderten. An der Ostseite, zum Muppberg hin, existieren noch historische Mauerreste, die auf die Schutzfunktion der Kirche hinweisen. Auf dieser Seite stand auch einst der Turm.

In St. Georg predigte am Karfreitag 1530 Dr. Martin Luther von der Kanzel, die damals am mittleren Pfeiler angebracht war. Daran erinnert heute eine Tafel im Altarraum. Auf das 16. Jahrhundert verweisen auch Rötelinschriften an der Südseite der Kirche.

Zur älteren Ausstattung gehören noch der zwölfarmige Kronleuchter von 1681 sowie historische Abendmahlsgeräte, die bis heute in Gebrauch sind. Der älteste Kelch stammt von 1599, weitere Hostiendosen und Kelche datieren ins 17. und frühe 18. Jahrhundert.

Ihre heutige Form verdankt die Kirche dem Wirken von Carl Alexander von Heideloff, den Herzog Ernst II. nach dem Stadtbrand von 1839, dem ein großer Teil der Kirche zum Opfer fiel, mit der Planung beauftragte. Heideloff war nicht nur ein gesuchter Architekt seiner Zeit, sondern auch einer der Wegbereiter der Denkmalpflege, der sich die Rückkehr „zur ächten Baukunst unserer Väter“, zur Gotik, zum Ziel gesetzt hatte.

Für Heideloff typisch sind die Westfassade als dekorative Schauseite mit dem Turm, die Betonung der senkrechten Linien (der Blick des Betrachters sollte nach oben gelenkt werden) und vieleckige, insbesondere achteckige, Säulen im Innenraum. Heideloff verzierte Gewölbe gerne mit goldenen Sternen (wie in Sonneberg) oder Lilien (in Neustadt), denn Sternenmantel und Lilienschmuck sind die Attribute von Maria als Himmelskönigin.

Die Glocken wurden 1847 zu Apolda gegossen, nachdem ihre Vorgänger im Feuer abgestürzt und zerschellt waren. 1942 wurden die große und die mittlere Glocke abgenommen, um eingeschmolzen zu werden, doch wurden sie nach dem Krieg auf einem Glockenfriedhof in Hamburg wieder entdeckt und nach Neustadt zurückgebracht.

Vor 1839 hatte die St.-Georgs-Kirche eine Orgel des Neustadter Orgelbauers Johann Andreas Hofmann von 1810.  Nach dem Brand wurde 1847/48 ein neues Werk von Georg Christoph Hofmann erbaut. Es umfasst 42 Register mit etwa 3000 Pfeifen.

1848 konnte die Kirche wieder geweiht werden.

Im Altarraum sind rechts ein Steinrelief des in Neustadt geborenen Bildhauers Prof. Edmund Moeller, die „Kreuztragung Christi“ (1908), und links ein Ölgemälde des ebenfalls in Neustadt beheimateten, späteren „Simplicissimus“-Zeichners Karl Arnold, die „Auferstehung Christi“ (1909), zu sehen.

Dem Zweiten Weltkrieg fielen etliche Fenster und auch die Kanzel zum Opfer, die instabil geworden war und bei der Renovierung von 1946/48 in ganz neuer Form aus Muschelkalk gestaltet wurde.

Die Fenster im Chor wurden 1946 bei Weitzel in Coburg entworfen und gefertigt. Das „Christusfenster“ wird beherrscht von dem goldgelb leuchtenden Christusmonogramm in der Mitte. Die begleitenden Bilder weisen auf ihn als Heiland hin, Ähren und Trauben auf das Abendmahl. Weiterhin werden die Taufe, der Heilige Geist sowie die Dreifaltigkeit symbolisiert.

In der Renovierung von 1985 bis 1990 wurde die neugotische Gestaltung der Kirche von 1848 wieder hergestellt, u.a. die „Liliendecke“ im Altarraum und das gotische Maßwerk der Emporen. 1989 kehrte auch der neugotische Schalldeckel der Kanzel in die Kirche zurück.

Das ebenfalls im Zweiten Weltkrieg zerstörte Lutherfenster wurde 1998 durch ein modernes Fenster der Künstlerin Anne Hitzker-Lubin ersetzt, mit Darstellungen, die Luthers Geist, seine Sprache und seine Handschrift darstellen sollen.

Auch eine Kirche, die auf den ersten Blick wie ein komplett neugotisch gestalteter Bau wirkt, kann bei näherem Hinsehen auf eine lange Geschichte verweisen, wenn man den Spuren an ihren Mauern folgt.